Ein Mäuschen verirrte sich in einen Keller voller Weinfässer. Sie fiel in ein kleines offenes Fass mit süßem Eiswein. Sie piepste recht laut, als sie bemerkte, wo sie gelandet war, und versuchte an der Wand vom Fass, denn das Fass war nicht ganz voll, hoch zu klettern und Halt zu finden.
Die Katze des Hauses bemerkte das Piepsen und schlich sich wie ein Tiger heran, sah die Bescherung und fragte schadenfroh, „warum schreist du so kleines Mäuslein?“ Die zappelte und piepste und rief in Todesangst: „Hol mich bitte hier raus. Bitte, sonst muss ich ertrinken!“. Die Katze putzte sich und sagte kühl „Was geht mich das an, du hast in diesem Keller nichts zu suchen“. „Ich kann aber nicht mehr“, piepste die Maus. „Bitte hilf mir doch.“
„Moment“ sagte die Katze, „was gibst du mir dafür?“. Die Maus schnappte verzweifelt nach Luft und sagte „ich weiß einen Keller, da gibt’s Speck und Käse. „Päh“ meinte die Katze, „nichts für mich“. Da meinte die Maus, „ich kenne einen Bäcker, da gibt’s Kuchen, Zucker und Rosinen“. Die Katze rümpfte die Nase. „Auch nichts, aber ich will dich herausholen, wenn du mir versprichst, dass ich dich dann fressen darf“. Die Maus erstarrte vor Entsetzen. Fressen will die mich, doch da ihr der Wein bis zum Hals stand, schnaufte sie „also gut, beeil dich, sonst geh ich unter. Schnell, um Himmelswillen, ich kann nicht mehr!“
Sekunden später befand sich die Maus auf sicherem Boden, sie schüttelte sich so, dass sich ein Sprühregen von Wein um sich verbreitete. Dann verschwand sie mit einem Sprung in ein kleines Mauseloch, während die Katze sich die Nase putzte und zusah, wie die Maus verschwand.
Die Katze saß dann zitternd von Enttäuschung vor dem Loch und fauchte, “komm doch raus, das ist nicht anständig von dir. So hältst du dich an die Abmachung. Oder weißt du nicht mehr, was du mir versprochen hast?“.
Da kicherte die kleine Maus im Bewusstsein ihrer Überlegenheit. „Keine Ahnung“, sagte die Maus, „Ich weiß nur, dass der Wein sehr stark war und wenn man einen Schwips hat, redet man so manches. Tschüss liebe Katze, danke!“.
Quelle: Manuskript von Elisabeth Lambert